Info zu Corona

Empfehlungen für Multiple Sklerose-Erkrankte zum Thema Corona-Virus

Zugang zur Corona-Schutzimpfung bei Multipler Sklerose (MS) auf der Grundlage der CoronaImpfV i.d.F. vom 8.2.2021

  1. a) Medizinische Gründe für die Auswahl eines Impfstoffes
  2. Grundsätzlich ist eine Impfung gegen das neuartige Coronavirus (SARS CoV 2) zu empfehlen. Es ist derzeit darauf hinzuweisen, dass zu einem möglichen Einsatz der Covid-19-Impfstoffe bei Personen mit Autoimmunerkrankungen und/oder immunmodulierenden/-supprimierenden Therapien keine bzw. nur vereinzelt Daten bzw. Erkenntnisse aus den Zulassungsstudien vorliegen und die genannten Einschätzungen auf dem Wissen über die Wirkmechanismen der MS-Therapien sowie die Wirksamkeit von Covid-19 unabhängigen Impfstoffen bei MS beruhen.

Die Experten der DMSG erachten allerdings das Risiko, derzeit schwerer an Covid-19 zu erkranken und in der Folge auch eine mögliche Verschlechterung der MS zu erfahren, als sehr viel höher ein. Für eine Impfung sollte eine MS-Therapie nicht unterbrochen werden, da die Auswirkungen der Unterbrechung auf die MS höher einzuschätzen sind als eine geminderte Immunantwort durch die MS-Therapie. Siehe nähere Informationen zu den MS-Therapien unter:

https://www.dmsg.de/corona-virus-und-ms/impfung0/

Die auf mRNA basierten Covid-19-Impfstoffe werden derzeit für Personen mit bestimmten Erkrankungen, wie MS als möglicherweise günstiger eingeschätzt als Vektor-basierte Covid-19-Impfstoffe.

Aktuelle Erfahrungen aus Israel mit 500 MS-Patienten, die den mRNA Impfstoff von BioNTech erhalten haben, zum Teil auch schon die zweite Impfung, haben bisher keine unerwarteten Nebenwirkungen oder Aktivierung der MS gezeigt (Achiron A., Sheba Medical Center, persönliche Mitteilung, Stand Januar 2021).

 Eine wissenschaftliche Publikation bleibt hier abzuwarten.

Etwaige Auswirkungen des zugelassenen Vektor-Impfstoffes COVID-19 Vaccine von AstraZeneca auf die MS ist derzeit unsicher. Humane Adenoviren können in seltenen Fällen Entzündungen des zentralen Nervensystems auslösen; der Impfstoff von AstraZeneca nutzt als Vehikel ein Adenovirus, das in Schimpansen kursiert [1]. Während der Impfstoffstudien wurden bestätigte und Verdachts-Fälle von Transverser Myelitis berichtet [1, 2]. Transverse Myelitiden entstehen häufig nach Virusinfekten auf dem Boden einer Autoimmunreaktion. Auch wenn diese im Rahmen der Impfstudien sehr selten waren, ist der Zusammenhang zur MS nicht zufriedenstellend geklärt bzw. kommuniziert. Deshalb bleibt weiterhin fraglich, inwieweit der Impfstoff auf Basis seines Vehikels ungünstige Auswirkungen auf den Verlauf der MS haben könnte, abhängig und unabhängig von einer Transversen Myelitis. Hier sind weitere Daten auch von Patienten mit anderen Autoimmunerkrankungen notwendig.

Zusätzlich ist zu bedenken, dass der AstraZeneca-Impfstoff mit ca. 60 % eine geringere Schutzwirkung vor einer Covid-19-Infektion hervorruft als die mRNA-basierten Covid-19-Impftsoffe von BioNTech und Moderna [3]. Für MS-Erkrankte, die in das Immunsystem eingreifende bzw. unterdrückende Therapien einnehmen, ist die Möglichkeit einer verminderten Impfantwort gegeben, so dass Impfstoffe mit höheren Schutzwirkungen vorzuziehen sind.

Die vorsichtige Einschätzung der BAG Selbsthilfe ist, dass nach der aktuellen Impfverordnung aus medizinischen Gründen Abweichungen hinsichtlich der für bestimmte Altersgruppen vorrangig vorgesehenen Impfstoffe möglich sind. Dies begründet sich auf die „Soll“-Formulierung in § 2 Abs. 2 der Verordnung.

b) Zugang zur Corona-Schutzimpfung

MS-Erkrankte sind per se für die Schutzimpfungen mit erhöhter Priorität (§ 4 Abs.1 Nr. 2 Buchstabe b) berücksichtigt – „Personen mit Immundefizienz oder HIV-Infektion, Autoimmunerkrankungen oder rheumatologische Erkrankungen“
MS-Erkrankte, die 60 Jahre und älter sind, können aufgrund des Alters (§ 4 Abs.1 Nr. 1) und unabhängig von ihrer MS-Erkrankung mit Vorlage des Personalausweises einen Termin erhalten .

MS-Erkrankte unter 60 Jahren benötigen für die Terminvergabe in dieser Priorisierungsgruppe ein ärztliches Zeugnis über das Vorliegen der in § 4 Abs. 1 Nr. 2 Buchstabe b der Verordnung genannten Erkrankung. Arztpraxen sind zur Ausstellung dieses ärztlichen Zeugnisses berechtigt. Sofern der MS-Erkrankte aufgrund früherer Behandlung dem Arzt unmittelbar persönlich bekannt ist, kann das ärztliche Zeugnis auch telefonisch angefordert und postalisch versandt werden. Die Vergütung der Arztpraxis ist ebenfalls in der Impfverordnung in § 9 geregelt.

In Einzelfällen kann eine vorrangige Priorisierung für MS-Erkrankte, in die Gruppe für Schutzimpfungen mit hoher Priorität (§ 3 Abs.1 Nr. 2 Buchstabe j) erfolgen. Hier sind MS-Erkrankte umfasst, die nach individueller ärztlicher Beurteilung aufgrund besonderer Umstände im Einzelfall ein sehr hohes oder hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus haben. Das notwendige ärztliche Zeugnis für die Zugehörigkeit zu dieser Priorisierungsgruppe kann nur von Einrichtungen ausgestellt werden, die von den obersten Landesgesundheitsbehörden oder beauftragten Stellen benannt worden sind (§ 6 Abs. 6). Es ist daher zu empfehlen, sich von Seiten der Landesverbände an die zuständigen Stellen auf Landesebene zu wenden, um zu erfahren, welche Einrichtung nach der Impfverordnung für die Ausstellung derartiger ärztlicher Zeugnisse zuständig ist.

Quellen:

  • Impfstoffstudien von AstraZeneca gegen SARS-CoV-2 pausieren, science media center germany, 10.09.2020 aktualisierte Version https://www.sciencemediacenter.de/fileadmin/user upload/Fact Sheets P DF/Impfpause-klinische-Studien SARS-CoV-2 Fact-Sheet 09092020.pdf
  • Safety and efficacy of the ChAdOx1 nCoV-19 vaccine (AZD1222) against SARS-CoV-2: an interim analysis of four randomised controlled trials in Brazil, South Africa, and the UK, Voysey M, Clemens SA, Madhi SA et al, Lancet 2021; 397: 99–111

Impfungen und Multiple Sklerose

Über Jahrzehnte haben Ärzte MS Erkrankte vor Impfungen gewarnt. Militante Impfgegner schüren aktuell auch Vorbehalte gegen die Covid-19 Impfung und verunsichern durch Falschinformationen die Bevölkerung. Bitte achten Sie daher auf verlässliche Quellen, aus denen Sie ihre Informationen beziehen.

Zu Impfungen mit Tot-Impfstoffen bei MS Erkrankten wurden in den letzten Jahren viele Daten veröffentlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Impfung mit Tot-Impfstoff einen Schub auslösen könnte, ist demnach extrem gering (Zettl, Beiträge aktiv!, Ausgaben 03 und 04/2020). Auch das Auftreten einer MS oder einer anderen Autoimmunerkrankung nach einer Impfung konnte durch eine umfangreiche Untersuchung nicht bestätigt werden. Impfungen mit Lebendvirus-Impfstoffen werden etwas kritischer beurteilt, da sie eine stärkere Immunreaktion hervorrufen. Dennoch besteht auch hier keine absolute Gegenanzeige. Im Einzelfall muss immer abgeschätzt werden, welches Risiko die Krankheit in sich birgt, vor der die Impfung schützen soll und welches Risiko die Impfung mit sich bringt. Wir wissen, dass nach Infekten, dass Schubrisiko erhöht ist. Im Vergleich dazu ist das Schubrisiko nach einer Impfung sehr gering. Jede Impfung ist eine Abwägung zwischen der Angst vor der Impfung und der Angst vor der Infektionskrankheit und ihren Folgen, die damit aber mit hoher Wahrscheinlichkeit verhindert wird.

Da die Covid-19 Infektion in zehn Prozent der Fälle einen schweren Verlauf nimmt und der Fall-Verstorbenen-Anteil in Deutschland zwischen zwei und drei Prozent liegt (vgl. Robert-Koch-Institut), empfehlen wir MS-Erkrankten nach heutigem Stand, sich und andere durch die Impfung zu schützen. Zudem können auch nach einer mild verlaufenden Infektion langanhaltende Symptome (Long Covid) auftreten, wie Geschmacksstörungen und, für MS-Erkrankte besonders beeinträchtigend, chronische Müdigkeit, Fatigue und Depressionen, vgl. Robert-Koch-Institut (RKI)).

Wie entsteht Immunität bei einer Virusinfektion?

Wenn ein Krankheitserreger – in diesem Fall das SARS-Cov2-Virus – in den Körper eindringt, sucht er sich eine Wirtszelle, in der er sich vermehren kann. Hierzu benutzen alle Viren ihr Erbgut (bestehend aus RNA oder DNA), das heißt bei jedem Virusinfekt ist fremde RNA/DNA in der Zelle. Nur so kann sich das Virus vermehren. Der Körper versucht dann, das Virus durch sein Immunsystem zu eliminieren und benutzt dazu Abwehrzellen und die Bildung von Antikörpern. Nach einer abgelaufenen Infektion lassen sich in der Regel diese virusspezifischen Antikörper nachweisen und bieten zusammen mit der Immunität auf zellulärer Ebene einen Schutz vor einer erneuten Infektion. Bezüglich Covid-19 gibt es aber Hinweise, dass der von einer Infektion Genesene weiterhin Viren ausscheidet könnte und daher über die Erkrankungsphase hinaus eine Infektionsquelle sein kann. Daher gelten auch für Covid-19 Genese weiterhin die Hygienemaßnahmen.

Wie entsteht Immunität durch eine Impfung?

Eine Impfung soll den Körper vor Erkrankungen schützen, obwohl dieser noch nie mit dem Erreger der Erkrankung konfrontiert wurde. Sie ist somit eine klassische Präventionsmaßnahme. Dabei wird mechanistisch das körpereigene, adaptive Immunsystem mit einem nicht mehr krankmachenden Erreger oder eines seiner Bestandteile stimuliert. Als Folge wird ein sogenanntes Immungedächtnis aufgebaut, so dass bei einer Konfrontation mit dem eigentlichen, echten Erreger, der Körper bereits über die Werkzeuge für eine spezifische und schnelle Immunabwehr verfügt. Eine Erkrankung wird damit verhindert oder deutlich in ihrer Schwere abgeschwächt. Inwieweit auch eine geimpfte Person noch ein Infektionsrisiko darstellt, ist für das neuartige Corona-Virus noch nicht geklärt.

Impfungen gegen Corona

Aktuell sind mehrere Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 in der Entwicklung. Sie erhalten verlässliche Kurzinformationen zu ausgewählten Impfstoffen, zu denen in Europa ein Zulassungsantrag gestellt ist und ausreichende Daten veröffentlicht sind, auf der Website des Institutes für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Die Kurzinformationen beschreiben Wirkungen und Nebenwirkungen der Impfstoffe und offene Fragen. Sie werden kontinuierlich aktualisiert, sobald neue Daten vorliegen. Zusätzlich ist jeweils das aktuelle Faktenblatt zur Covid-19-Impfungen vom RKI zu empfehlen.

Aktuelle Erfahrungen aus Israel mit 500 MS Patienten, die den mRNA Impfstoff von Biontech erhalten haben, zum Teil auch schon die zweite Impfung, haben bisher keine unerwarteten Nebenwirkungen oder Aktivierung der MS gezeigt (Achiron A., Sheba Medical Center, persönliche Mitteilung).

 

MS und Impfen allgemein

Eine Impfung soll den Körper vor Erkrankungen schützen, obwohl dieser noch nie mit dem Erreger der Erkrankung konfrontiert wurde. Sie ist somit eine klassische Präventionsmaßnahme. Dabei wird mechanistisch das körpereigene, adaptive Immunsystem mit einem nicht mehr krankmachenden Erreger oder eines seiner Bestandteile stimuliert. Als Folge wird ein sogenanntes Immungedächtnis aufgebaut, so dass bei einer Konfrontation mit dem eigentlichen, echten Erreger, der Körper bereits die Werkzeuge für eine spezifische und schnelle Immunabwehr hat. Eine Erkrankung wird damit verhindert oder deutlich in ihrer Schwere abgeschwächt. . 

Eine MS stellt grundsätzlich keine Kontraindikation für Impfungen dar. Impfungen lösen keine MS aus und eine Auswirkung auf die Krankheitsaktivität ist unwahrscheinlich. Durch Impfungen vermeidbare Infektionen können einerseits schwerwiegende Erkrankungen verursachen, andererseits bei MS-Erkrankten darüber hinaus Schübe auslösen und zur Krankheitsverschlechterung beitragen. Dieses Risiko ist grundsätzlich höher einzuschätzen als potenzielle Risiken durch Impfungen. MS-Erkrankte sollten daher entsprechend den von der Ständigen Impfkommision (STIKO) des RKI empfohlenen Impfungen im Erwachsenenalter geimpft werden.

Für Impfungen unter MS-Therapien sind allerdings einige Hinweise zu berücksichtigen. Vermutet wird ein vermindertes Ansprechen auf die Impfung, hierzu stehen nur begrenzt Daten zu Verfügung. Um einen Impferfolg zu unterstützen, sollten deshalb Impfungen idealerweise in einem zeitlichen Abstand mindestens sechs Wochen vor Einleitung einer Immuntherapie abgeschlossen sein. Grundsätzlich sind Impfungen mit Tot-Impfstoffen auch unter Therapien, die Immunzellen aus dem Körper entfernen („Zell-depletierende Therapien“) möglich, das Ansprechen auf die Impfung kann unter solchen Therapien allerdings vermindert sein. Idealerweise sollten Impfungen frühesten vier Monate nach Behandlung (gemeint ist hier die jeweilige Medikamentengabe) erfolgen. Bei Lebend-Impfstoffen (wie Gelbfieber, Masern, Mumps, Röteln, Varizellen) können selten verstärkte Impfreaktionen auftreten. Die Indikation sollte bei MS-Erkrankten und insbesondere unter MS-Therapien streng gestellt werden. Lebend-Impfungen unter Ocrelizumab, Alemtuzumab, Cladribin, Fingolimod, Siponimod, Ozanimod, Natalizumab oder Mitoxantron sind kontraindiziert. Die meisten der von der STIKO im Erwachsenenalter und für Ältere empfohlenen Impfungen sind Tot-Impfstoffe und können auch für MS-Erkrankte uneingeschränkt empfohlen werden. Vor Beginn einer MSTherapie sollte immer der Impfstatus kontrolliert und ggf. fehlende Impfungen mit Lebend-Impfstoffen nachgeholt werden, wenn die MSTherapie entsprechend verschiebbar ist.

Multiple Sklerose und Corona-Schutzimpfung

Grundsätzlich ist eine Impfung gegen das neuartige Coronavirus (SARS CoV 2) zu empfehlen. Es ist derzeit darauf hinzuweisen, dass zu einem möglichen Einsatz der Covid-19-Impfstoffe bei Personen mit Autoimmunerkrankungen und/oder immunmodulierenden/-supprimierenden Therapien keine Daten/Erkenntnisse aus den Zulassungsstudien vorliegen und die genannten Einschätzungen auf dem Wissen über die Wirkmechanismen der MS-Therapien sowie die Wirksamkeit von Covid-19 unabhängigen Impfstoffen bei MS beruht. Die fehlende Datenbasis lässt daher auch keine Empfehlung für einen bestimmten der Impfstoffe zu. Theoretisch sind derzeit keine wesentlichen Unterschiede bekannt. Durch Analogieschlüsse von anderen Totimpfstoffen bei MS schätzen wir derzeit ein mögliches Schubrisiko oder eine Auswirkung auf die MS-Krankheitsaktivität als gering ein. Konkrete Daten dazu liegen uns auch nach fast einem Jahr Corona-Pandemie nicht vor. Wir erachten allerdings das Risiko, derzeit schwerer an Covid-19 zu erkranken als sehr viel höher ein. Für eine Impfung sollte eine MSTherapie nicht unterbrochen werden, da die Auswirkungen der Unterbrechung auf die MS höher einzuschätzen sind als eine geminderte Immunantwort durch die MSTherapie.

Zugang zur Corona-Schutzimpfung

Nach der Coronavirus-Impfverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) vom 15. Dezember 2020 sind MS-Erkrankte per se in der Priorisierungsstufe 3 (vgl. §4 Schutzimpfungen mit erhöhter Priorität, Ziffer 2) berücksichtigt. In Einzelfällen kann über die Zugehörigkeit zur Priorisierungsstufe 2 (vgl. §3 Schutzimpfungen mit hoher Priorität, Ziffer 2 und aktuelle STIKO-Empfehlungen zur COVID-19-Impfung „Hinweise zur praktischen Umsetzung“) entschieden werden.

Um einen Anspruch auf vorrangige Impfung nachweisen zu können, ist für die Zugehörigkeit zu den Priorisierungsgruppen 2 und 3 eine ärztliche Bescheinigung/Attest erforderlich. Hier reicht nach Auskunft des BMG und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung eine formlose Bescheinigung über das Bestehen einer entsprechenden Erkrankung im Sinne des Paragrafen x Ziffer y der Coronavirus-Impfverordnung aus. Bei MS-Erkrankten, die aufgrund Ihres Alters bereits zu den Priorisierungsgruppen 2 (ab 70 Jahren) und 3 (ab 60 Jahren) gehören, reicht als Nachweis die Vorlage des Personalausweises.

Allgemeine Informationen zu Impfstoff-Konzepten zur aktiven Immunisierung

Etablierte Konzepte (sog. Tot-Impfstoffe und Lebend-Impfstoffe):

  • nicht mehr reproduktionsfähige Krankheitserreger bzw. deren Bestandteile: Lösen eine schwächere Immunantwort als Impfstoffe mit reproduktionsfähigen Krankheitserregen aus und enthalten verschiedene Zusatzstoffe (Adjuvanzien) als Hilfsstoffe, um die unspezifische Immunreaktion auf den Impfstoffen zu steigern. Wird in der Regel nach einem bestimmten Schema in Form von Auffrischungsimpfungen mehrmals verabreicht werden. Die erreichte Immunität hält meist nur über einen beschränkten Zeitraum an.
  • geringe Menge abgeschwächter (attenuierter), aber lebendiger, d.h. reproduktionsfähiger Krankheitserreger: Lösen eine stärkere Immunantwort aus und die erreichte Immunität hält meist lebenslang an. Selten können ähnliche Beschwerden wie bei der Krankheit selbst auftreten.

Neue Konzepte:

  • Vektorbasierte Impfstoffe (Nukleinsäure basiert): Mit einer sog. Fähre werden Virusbestandteile in den Körper gebracht. Diese Impfstoffe sind gegenwärtig noch aufwendig zu produzieren.
  • Impfstoffe auf der Basis nachgebauter Erregerbestandteile: Einfach herzustellen, hohe Sicherheit, benötigen aber oft mehrere Zusatzstoffe.
  • DNA-Impfstoffe (Nukleinsäure basiert, entspricht keinem Lebendimpfstoff): Injizierte Gene simulieren die entsprechende Infektion. Diese Impfstoffe sind relativ einfach und günstig herzustellen. Das Nebenwirkungsspektrum ist aktuell noch nicht zu bewerten.
  • RNA-Impfstoffe (Nukleinsäure basiert, entspricht keinem Lebendimpfstoff): Teile der Bauanleitung (RNA) des Erregers werden beispielweise in Micro-Fetttröpfchen verpackt und in den Körper injiziert. Die RNA gibt die Information an die Zelle und wird dann schnell abgebaut.
  • Impfungen mit virusähnlichen Partikeln: Proteine der Erregerhülle werden biotechnologisch hergestellt und lösen bei der geimpften Person eine Immunantwort aus. Der Impfstoff enthält keine genetische Information und hat eine hohe Sicherheit.

MS-Medikamente und Corona-Schutzimpfung

Es liegen aktuell keinerlei Daten zu Impfantworten auf die Corona-Impfung unter den verschiedenen Immuntherapien vor. Dennoch kann der Impferfolg aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit anderen Impfstoffen (z.B. der Grippeimpfstoffe) mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Corona-Impfstoffe übertragen werden. Die bestehende Immuntherapie sollte nicht unterbrochen werden, um den Impferfolg zu verbessern, da dies die Gefahr erneuter Krankheitsaktivität in sich birgt. Im Folgenden sind alle MS-Medikamente mit den bereits vorliegenden Erfahrungen in Bezug auf Impfungen aufgeführt:

 

  • Interferon-beta (Avonex, Betaferon, Extavia, Plegridy, Rebif 22und 44): Impfungen gegen Grippevirus zeigten eine gegenüber nicht Interferon-beta Behandelten vergleichbare Impfantwort. Eine Impfung sollte ggf. ca. zwei bis vier Wochen vor Therapiebeginn erfolgen. Während der Therapie ist, wenn möglich die Impfung zeitlich jeweils an einem anderen Tag als die Interferon-Applikation zu legen.
  • Glatirameracetat: (Copaxone 20 und 40, Clift): Impfreaktion gegen Grippe etwas geringer, aber ausreichend.
  • Natalizumab (Tysabri): Impfantworten gegen Grippe waren etwas vermindert, aber ausreichend.
  • Dimethylfumarat (Tecfidera): Keine Hinweise auf verminderten Impfschutz.
  • Teriflunomide (Aubagio): Unter Aubagio kann der Impferfolg bei üblichen Impfungen reduziert sein, wird aber im Allgemeinen als ausreichend angesehen. Die Impfantworten können auch noch nach Absetzen der Therapie für einige Monate vermindert sein. Eine Antikörperbestimmung nach der Impfung kann man empfehlen, deren Aussagekraft ist aber vorsichtig zu interpretieren.
  • Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor Modulatoren (Fingolimod/Gilenya, Ozanimod/Zeposia und Siponimod/Mayzent,): Unter der Therapie mit Fingolimod ist ein evtl. reduzierter Impferfolg zu berücksichtigen. Ggf. sollten nach der Impfung die Antikörper im Serum bestimmt werden und es besteht die Möglichkeit des wiederholten Impfens.
  • Alemtuzumab (Lemtrada): In den ersten sechs Monaten nach einem Therapiezyklus der Therapie erfolgen noch abgeschwächte Impfantworten.
  • Azathioprin: Abgeschwächte Immunantworten in Abhängigkeit von der Dosierung
  • Cladribin (Mavenclad): Es liegen noch keine Daten zu Impfstudien vor. Aufgrund des Wirkungsmechanismus ist aber zumindest vorübergehend, in den ersten sechs Monaten nach dem Therapiezyklus, eine verminderte Impfantwort zu erwarten.
  • Mitoxantron (Novantron, Ralenova): Aufgrund des Wirkungsmechanismus ist während der Therapiezyklen eine verminderte Impfantwort zu erwarten, die auch nach Beendigung des letzten Zyklus, der langfristige Blutbildveränderungen mit sich bringt, zu erwarten.
  • Autologe Knochenmarkstransplantation (sog. Stammzelltherapie): Es sind mindestens sechs Monate Abstand zwischen Stammzelltransplantation und Impfung zu empfehlen.
  • B-Zell depletierende Therapien (Ocrelizumab/Ocrevus, Ofatumumab/Präparatname, Rituximab/Mabthera usw.: Für Ocrelizumab wurde rezent gezeigt (Veloce Studie, Neurology 2020) dass bei einem Impfabstand von vier Monaten etwas niedrigere aber ausreichende Titer erzielt wurden.
  • Immunglobuline: Immunglobuline sind körpereigene Immunfaktoren und enthalten viele Antikörper. Sie bieten daher einen gewissen Schutz gegen verschiedene Virusinfekte. Es ist aktuell nicht anzunehmen, dass die in Deutschland verwendeten Immunglobuline schon relevante Antikörper gegen SARS-CoV2 enthalten. Im Allgemeinen dürften diese Antikörper jedoch niedrigtitrig sein und den Impferfolg nicht manipiulieren.
  • Cortison-Therapie: Die übliche Schubtherapie beeinflusst Impfantworten. Impfungen sollten frühestens zwei Wochen, besser vier Wochen nach einer Hochdosistherapie erfolgen.

 

 

 


Literatur

Effects of MS disease-modifying therapies on responses to vaccinations: A review. Ciotti JR, Valtcheva MV, Cross AH.Mult Scler Relat Disord. 2020 Oct;45:102439. doi: 10.1016/j.msard.2020.102439. Epub 2020 Aug 1.PMID: 32769063 Free PMC article. Review

Effect of ocrelizumab on vaccine responses in patients with multiple sclerosis: The VELOCE study. Bar-Or A, Calkwood JC, Chognot C, Evershed J, Fox EJ, Herman A, Manfrini M, McNamara J, Robertson DS, Stokmaier D, Wendt JK, Winthrop KL, Traboulsee A.Neurology. 2020 Oct 6;95(14):e1999-e2008. doi: 10.1212/WNL.0000000000010380. Epub 2020 Jul 29.PMID: 32727835 Clinical Trial.

Randomized trial of vaccination in fingolimod-treated patients with multiple sclerosis. Kappos L, Mehling M, Arroyo R, Izquierdo G, Selmaj K, Curovic-Perisic V, Keil A, Bijarnia M, Singh A, von Rosenstiel P.Neurology. 2015 Mar 3;84(9):872-9. doi: 10.1212/WNL.0000000000001302. Epub 2015 Jan 30.PMID: 25636714 Clinical Trial.

PM des KKNMS zu Impfungen bei Multipler Sklerose, Dezember 2020

Korsukewitz et al., Nat Rev Neurol 2020 (neurologial Immune therapy in the era of COVID 19)

Letzte Aktualisierung: 29.01.2021 18:10

Besteht bei MS-Erkrankten ein erhöhtes Risiko, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren?

MS-Erkrankte, die keine immunmodulierende Therapie erhalten oder mit Interferon beta (Avonex, Extavia, Betaferon, Plegridy, Rebif) und Glatirameracetat (Copaxone, Clift) behandelt werden, sind grundsätzlich nicht stärker gefährdet als gleichartige gesunde Personen [1].

Besteht allerdings eine stärkere Behinderung (Rollstuhl, Bettlägerigkeit) ist das Risiko generell für Atemwegsinfektionen erhöht, da die Belüftung der Lunge weniger gut ist. Das bedeutet zwar nicht, dass das Infektionsrisiko höher ist als bei Gesunden, aber das Risiko, bei einem Kontakt mit dem Corona-Virus schwer zu erkranken, ist höher.

Ist eine Schubtherapie mit Cortison noch anzuraten?

Eine Cortison-Pulstherapie kann kurzfristig das Infektionsrisiko erhöhen. Bei einem Schub sollte daher sorgfältig besprochen werden wie sich der MS-Erkrankte nach dem Cortisonpuls vor einer möglichen Infektion schützen kann. Hilfreich und sinnvoll ist sicher bei Berufstätigkeit gegebenenfalls eine begrenzte Arbeitsunfähigkeit in Anspruch zu nehmen. Die Notwendigkeit einer Cortison-Pulstherapie sollte bei sehr leichten Schüben abgewogen werden. Mit regelmäßigen in Intervallen verabreichten Cortison-Therapien sollte – nach unserer Einschätzung – zunächst pausiert werden.

Unter welchen verlaufsmodifizierenden Therapien besteht möglicherweise ein erhöhtes Infektionsrisiko mit dem Corona-Virus?

Natalizumab/Tysabri: Die Behandlung kann – nach bisherigen Einschätzungen – uneingeschränkt weiter fortgeführt werden, da kein erhöhtes Risiko für Atemwegsinfektionen besteht.

Dimethylfumarat/Tecfidera: Bei normalen Lymphocytenzahlen kann davon ausgegangen werden, dass das Infektionsrisiko nicht erhöht ist.

Teriflunomide/Aubagio: Bei den Dosierungen in der MS-Therapie ist ein erhöhtes Infektionsrisiko nicht anzunehmen.

Modulatoren Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptoren (Fingolimod/Gilenya und Siponimod/Mayzent): Unter diesen Therapien besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko, insbesondere von Atemwegserkrankungen. MS-Erkrankte, die auf diese Therapien eingestellt sind, sollten sie trotzdem fortführen, da bei Absetzen das Risiko einer Krankheitsaktivierung besteht. Therapeutische Neueinstellungen sollten zum jetzigen Zeitpunkt sorgfältig überlegt werden.

Sogenannte depletierende Immuntherapien (Ocrelizumab/Ocrevus, off-label Rituximab/Mabthera, Cladribin/Mavenclad, Alemtuzumab/Lemtrada, Mitoxantron): Diese Therapien erhöhen das Infektionsrisiko insbesondere unmittelbar nach der Infusionsbehandlung. Da es sich bei Ocrelizumab und Rituximab um Intervalltherapien handelt, ist auch eine Verlängerung des Intervalls individuell zu diskutieren, ohne dass die Gefahr einer Aktivierung der MS besteht [2]

Die therapeutische Wirkung von Cladribin beruht auf einer erwünschten Verminderung der weißen Blutzellen. Dieser Effekt ist unmittelbar nach der jährlichen Gabe (jeweils zwei Behandlungswochen im Abstand von vier Wochen) in Jahr 1 und Jahr 2 am stärksten und geht auch mit einem erhöhten Infektionsrisiko einher. Die Effekte auf die weißen Blutkörperchen halten individuell unterschiedlich lange an, damit ist auch das Infektionsrisiko von MS-Erkrankten mit einer Cladribin-Therapie individuell einzuschätzen. MS-Erkrankte, bei denen der zweite Therapie-Zyklus nach einem Jahr ansteht, sollten diesen hinausschieben oder gegebenenfalls Vorkehrungen treffen, um die Infektionsgefahr herabzusetzen. Das Infektionsrisiko ist in den ersten vier Wochen nach der letzten Gabe am höchsten. Besondere hygienische Maßnahmen, auch bezüglich der Außenkontakte, sollten ohnehin eingehalten werden.

Dies gilt in ähnlicher Weise auch für Alemtuzumab. Auch bei dieser Immuntherapie kommt es bei der jährlichen Gabe (in der Regel Jahr 1 und Jahr 2) zu einer langanhaltenden erwünschten Veränderung der weißen Blutzellen, wodurch ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht. Auch hier ist eine Wiederholung der Therapie sorgfältig zu prüfen. Neueinstellungen sind zum jetzigen Zeitpunkt unter Berücksichtigung der Zulassungsänderung nur bei hochaktiver MS und dem Fehlen anderer therapeutischer Möglichkeiten zu erwägen.

Wo ist das Infektionsrisiko am höchsten?

Nach den heutigen Erkenntnissen wird das Corona-Virus durch Tröpfchen übertragen. Dies erfolgt beispielsweise durch Husten und Niesen, durch Händedruck und Berühren von Gegenständen, die Kontakt mit einem Virus-Infizierten hatten.

Informationen zur Infektionsvermeidung finden Sie auf der Website des Robert Koch-Institutes.

Siehe: Empfehlungen RKI – Schutzmaske, Handschuh. Viel Aufenthalt an der frischen Luft schützt die Schleimhäute vor Austrocknung und macht sie widerstandsfähiger gegen Viren. Deshalb besteht die Hoffnung, dass mit Beginn des Frühjahrs die Zahl der Neuinfektionen abnimmt. Je mehr Menschen sich in einem geschlossenen Raum aufhalten, desto höher ist das Risiko sich durch Tröpfcheninfektionen anzustecken. Geheizte Räume stellen ein höheres Risiko für Infektionen dar als ungeheizte. Auch voll besetzte öffentliche Verkehrsmittel und öffentliche Groß-Veranstaltungen zählen zu den erhöhten Infektions-Risiken.

Teilnehmer klinischer Studien

Patienten, die an Therapiestudien mit Immuntherapeutika teilnehmen, werden über die Sicherheitsgremien (Safety boards) gegebenenfalls über das weitere Vorgehen mit der Studienmedikation informiert.

Gruppentreffen der DMSG und Fortbildungen der DMSG

In NRW wurden bereits alle Gruppentreffen abgesagt. Unter Berücksichtigung der oben erwähnten speziellen Risiken von stärker behinderten MS-Erkrankten und solchen mit verlaufsmodifizierenden Therapien, die ein erhöhtes Infektionsrisiko in sich bergen, sollte dies – aus unserer Sicht – bei weiter steigenden Infektionszahlen auch in den anderen Bundesländern überlegt werden.

Auf der Website des Robert Koch-Instituts finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Corona-Virus: www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/nCoV.html

Die Weltgesundheitsorganisation nennt einige grundlegende Maßnahmen zum Schutz vor dem Corona-Virus. Dazu gehören:

Waschen Sie Ihre Hände häufig mit einem alkoholischen Handreiben oder mit Seife und Wasser

Bedecken Sie beim Husten und Niesen Mund und Nase mit einem gebeugten Ellbogen oder Taschentuch

Halten Sie mindestens einen Meter Abstand zwischen sich und anderen Personen, insbesondere jenen, die husten und niesen

 Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund

Beachten Sie die Empfehlungen zur Lebensmittelsicherheit, indem Sie verschiedene Schneidebretter für rohes Fleisch und gekochte Lebensmittel verwenden und sich zwischen den Handgriffen die Hände waschen.

Es ist wichtig, den Kontakt mit Personen zu vermeiden, die möglicherweise in einem Gebiet leben oder aus einem Gebiet anreisen, in dem SARS-CoV-2 im Umlauf ist.

 

Auf globaler Ebene handelt es sich um eine sich sehr dynamisch entwickelnde und ernstzunehmende Situation. Bei einem Teil der Fälle sind die Krankheitsverläufe schwer, auch tödliche Krankheitsverläufe kommen vor. Mit weiteren Fällen muss in Deutschland gerechnet werden. Diese Einschätzung kann sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern. Aus diesem Grund sollen auch die Informationen laufend aktualisiert werden.<br>